
Anicca – die Lehre von der Vergänglichkeit
Im buddhistischen Kanon, wie er ab dem 5. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung in Nordindien mündlich überliefert wurde, gilt Anicca als eines der drei Daseinsmerkmale: Nichts, was entsteht, bleibt bestehen. Mönche meditierten einst über verfallende Körper, nicht um zu erschrecken, sondern um Vergänglichkeit nicht nur zu verstehen, sondern zu spüren.
Die moderne Psychologie kennt ein verwandtes Prinzip. Die Akzeptanz- und Commitment-Therapie, mitbegründet von Steven C. Hayes, zeigt in mehreren Studien: Wer wechselnde Gedanken und Gefühle beobachtet, statt sich an sie zu klammern, erlebt nachweislich weniger Stress. Anicca ist damit keine Weltuntergangsstimmung, sondern ein nüchterner Trainingssatz für den Geist.
Heute ist Neumond: der Moment, in dem der Himmel am dunkelsten und leersten wirkt, bevor sich alles wieder zu füllen beginnt. Ein stiller Anlass für eine Frage: Woran hältst du gerade fest, obwohl es sich in Wahrheit längst verändert hat?
Bleibe kritisch. Nimm nur mit, was dich berührt.
— Redaktion CelestialSoul