
Der Eremit
Im Marseille-Tarot des 15. Jahrhunderts steht der Eremit als neunte Karte der grossen Arkana: eine vermummte Gestalt, gebeugt über einen Stab, in der Hand eine Laterne mit kleiner Flamme. Historisch wurde sie oft als Bild des Zeitgebers oder des Weisen gelesen — jemand, der sich zurückzieht, um zu sehen, was im Trubel verborgen bleibt. Kein Rückzug aus Resignation, sondern aus Konzentration.
Psychologisch berührt das Bild etwas Untersuchtes: Forschung zu bewusster Alleinzeit (u. a. Studien zur "solitude" von Thuy-vy Nguyen, Universität Durham) zeigt, dass freiwillig gewählte Ruhephasen mit geringerer emotionaler Erschöpfung und klarerer Selbstwahrnehmung einhergehen — im Unterschied zu erzwungener Isolation. Die Karte selbst sagt nichts über deine Zukunft; sie ist ein altes Bild für eine Bewegung, die manche Menschen als hilfreich erleben.
Die Sichel wächst gerade zu. Vielleicht passt die Frage: Wo in deinem Alltag könnte ein kurzer, bewusster Rückzug mehr Klarheit bringen als noch mehr Aktivität?
Wir sagen dir nicht, was du damit tun sollst. Bleibe kritisch. Nimm nur mit, was dich rührt.
— Redaktion CelestialSoul