
Vergänglichkeit als Übung
In der buddhistischen Praxis nennt man sie Anicca — eines der drei Daseinsmerkmale, die der Buddha im 5. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung lehrte. Anicca meint: Nichts bleibt. Kein Zustand, kein Gefühl, kein Gedanke ist von Dauer. Meditierende richten ihre Aufmerksamkeit bewusst auf dieses Kommen und Gehen — nicht um Angst zu erzeugen, sondern um die Klammer um das Bleibenwollen zu lockern.
Die Achtsamkeitsforschung kann Anicca als metaphysisches Prinzip nicht bestätigen — das ist keine Frage, die sich empirisch prüfen lässt. Was sich zeigen lässt: Studien zur Mindfulness-Based Cognitive Therapy (Segal, Williams & Teasdale) deuten darauf hin, dass die bewusste Wahrnehmung von Gedanken als vorübergehende Ereignisse — statt als Fakten — mit weniger Grübeln und stabilerer Stimmung einhergeht. Die Übung, nicht das Prinzip, lässt sich also beobachten.
Der Halbmond nimmt heute ab. Ein Bild, das sich anbietet, ohne etwas zu behaupten: Was in dir gerade kleiner werden möchte — ein Gedanke, eine Anspannung, eine Geschichte, die du dir erzählst — muss nicht festgehalten werden, damit sie zählt.
Was in deinem Leben hast du zuletzt losgelassen, ohne es zu betrauern?
Bleibe kritisch. Nimm nur mit, was dich berührt.
— Redaktion CelestialSoul