
Rumi, der persische Dichter und Mystiker des 13. Jahrhunderts, prägte mit der Sufi-Tradition eine Praxis, die bis heute nachwirkt: das Sema, den drehenden Tanz der Derwische. In langsamer, kontrollierter Rotation – eine Hand zum Himmel, die andere zur Erde geöffnet – suchten die Tänzer einen Zustand zwischen Konzentration und Loslassen. Rumis Gedichte, oft im Gehen oder Drehen entstanden, beschreiben dieses Pendeln zwischen Ordnung und Hingabe als Weg zu innerer Stille.
Was sagt die Forschung dazu? Rhythmische, sich wiederholende Bewegung in Kombination mit fokussierter Atmung wird in der Bewegungspsychologie mit einer Beruhigung des vegetativen Nervensystems in Verbindung gebracht – ähnlich wie bei Gehmeditation oder rhythmischem Tanz. Die spezifische spirituelle Wirkung des Sema selbst ist wissenschaftlich nicht belegt, wird aber seit Jahrhunderten als Werkzeug der Sammlung genutzt.
Der Mond steht heute zunehmend, wächst auf sein Licht zu. Vielleicht passt dazu eine Frage: Wo in deinem Alltag drehst du dich – im Kreis, ohne wirklich voranzukommen? Und wo könnte dieselbe Bewegung, mit mehr Aufmerksamkeit ausgeführt, zu etwas werden, das dich zentriert statt erschöpft?
Du musst nichts davon übernehmen. Rumis Bild vom Drehen ist eine Einladung, kein Programm.
Bleibe kritisch. Nimm nur mit, was dich rührt.
— Redaktion CelestialSoul