
Das Drehen als Gebet
Jalal ad-Din Rumi, persischer Mystiker des 13. Jahrhunderts, begründete in Konya (Anatolien) die Praxis des Sema — das rituelle Kreisdrehen der Mevlevi-Derwische. Die ausgestreckte rechte Hand ist nach oben geöffnet, die linke weist zur Erde: Der Körper wird zum Kanal, nicht zum Empfänger einer Botschaft. Ziel des stundenlangen Drehens war nie Ekstase, sondern das allmähliche Verstummen des inneren Kommentators — was Rumi das "Nafs", das laute Ich, nannte.
Repetitive Kreisbewegungen stimulieren das vestibuläre System und können Bewusstseinszustände verschieben — vergleichbar mit rhythmischem Atmen oder Mantras. Ob dabei etwas "Spirituelles" geschieht, ist wissenschaftlich nicht belegt. Als körperliches Fokus-Werkzeug ist die Wirkung jedoch beschreibbar: Bewegung als Anker für Gegenwart, wenn Gedanken zu laut werden.
Die zunehmende Mondphase gilt in vielen Traditionen als Zeit des Aufbaus. Vielleicht eine Einladung, etwas Kleines zu wiederholen — nicht um anzukommen, sondern um kurz innezuhalten.
Welche Bewegung hilft dir, das Rauschen zu unterbrechen — auch wenn es nur für einen Atemzug ist?
Bleibe neugierig. Nimm nur mit, was dich berührt.
— Redaktion CelestialSoul