
Der Schatten im abnehmenden Licht
Tradition. Carl Gustav Jung beschrieb in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts den Schatten als jenen Teil der Psyche, den wir nicht zeigen wollen — verdrängte Impulse, abgelehnte Schwächen, unerwünschte Qualitäten. Neben dem Schatten postulierte er Anima und Animus als Gegenbilder im Inneren: universelle Muster, die er im kollektiven Unbewussten verortete und in Mythen, Träumen und Symbolen aller Kulturen wiederfand.
Psychologie. Jungs Archetypen sind kein anerkanntes Modell der modernen Neurowissenschaft. Als reflexives Werkzeug werden sie jedoch bis heute genutzt — die Beobachtung, dass das, was uns an anderen besonders heftig stört, oft etwas über eigene verdrängte Anteile erzählt, ist in der psychotherapeutischen Praxis ein etablierter Ausgangspunkt für Selbstreflexion. Wissenschaftlich belastbar ist das nicht. Als Spiegel nützlich.
Der abnehmende Halbmond gilt in vielen Traditionen als Phase des Zurücknehmens. Eine mögliche Einladung: nicht nach außen schauen, sondern innen nachsehen, was sich angesammelt hat.
Frage für heute: Welche Eigenschaft an einer anderen Person hat dich zuletzt wirklich gestört — und wie vertraut ist dir genau diese Eigenschaft, wenn du ehrlich bist?
Bleibe kritisch. Nimm nur mit, was dich berührt.
— Redaktion CelestialSoul